22 Jahre an der RUB: Veränderung ist die Konstante

In unserer neuen Reihe „Gesichter der Fakultät“ stellen wir euch Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen unserer Fakultät vor. Den Anfang machen wir mit Marion Reinhardt-Kalender, die als Teamassistentin der Lehrstühle May und Leander nicht erst seit Fakultätsgründung zum personellen Inventar der RUB-Informatik gehört – und sich vorgestern in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat.

Kristina Ahrens
2. Juli 2026

Fangen wir ganz vorne an: Wann und wie bist du an die RUB gekommen?

Das war 2004. Meine Schwiegermutter hatte vor ihrer Rente an der RUB gearbeitet, im Dekanat bei den Geisteswissenschaften, und als ich nach Bochum gezogen bin, meinte sie: Hast du nicht Lust, an der Uni zu arbeiten? Vorher war ich technische Zeichnerin und wusste gar nicht, was ich hier an der Uni sollte. Ich habe mich dann trotzdem einfach beworben und natürlich erstmal eine Absage bekommen. Dezernat 3 hat meine Bewerbung aber aufgehoben, falls in Zukunft jemand eine Sekretärin oder technische Assistenz sucht. Dann habe ich nichts gehört, nichts gehört, nichts gehört und irgendwann hat jemand von der Physik angerufen und ich konnte dort als technische Assistenz in Teilzeit anfangen.

Wie hast du die RUB damals wahrgenommen, als du 2004 hier angefangen hast?

Chaotisch. Und wie ein endloses Labyrinth. Am Anfang habe ich manchmal mein Auto nicht wiedergefunden oder war auf einer falschen Ebene, weil alles gleich aussah.  Ich war froh, dass die Physik im Erdgeschoss war, sodass ich nur unten rein musste, drei Mal um die Ecke und dann war ich da.

Was hat sich in den über 20 Jahren seitdem verändert?

Es gab natürlich viele Sanierungsarbeiten, Gebäude wurden abgerissen und neu gebaut – das hört ja gar nicht mehr auf mit den Renovierungen. Also das Markanteste an der RUB sind die ständigen Baustellen, Sperrungen und Umwege. Aber auch das Arbeiten hat sich verändert. Es ist viel digitaler geworden, was ich total gut finde. Damit ist man nicht so ans Büro gebunden, kann viel besser an alles dran und auch mal mit mehreren an einem Ordner arbeiten.

Apropos Veränderung: Wie bist du denn dann Teamassistentin geworden?

Als der Vertrag in der Physik auslief, war eigentlich gerade Einstellungsstopp, aber der Personalchef wollte mich als Sekretärin irgendwo unterbringen. Ich dachte eigentlich: Ich kann mir im Leben nicht vorstellen, Sekretärin zu sein. Ich kann mir Namen schlecht merken und die Leute dazu und ich kann auch nicht so übertrieben freundlich sein. Das ist überhaupt kein Job für mich. Aber ich konnte sowieso erstmal nur eine Vertretungsstelle machen und bin dann als Sekretärin an die Maschinenbau-Fakultät gegangen. Die Themen da waren natürlich spannend für mich, mit meinem technischen Hintergrund. Aber mit einem Lehrstuhl mit nur zwei Konten war ich nicht so ganz ausgelastet auf Dauer.

Dass ich dann 2008 zur Mathe gekommen bin, zu Alex May, das war einfach ein Glücksgriff. Eine Kollegin war vorher zur Mathe-Fakultät gewechselt und wurde da gefragt: „Wir brauchen für den neuen Professor eine Sekretärin – aber eine vernünftige. Kennst du jemanden?“ Und sie meinte, sie kennt eine, „die kann man gut gebrauchen“. Ich habe mich dann beworben und erst später festgestellt, dass die Ausschreibung nur für bereits Entfristete war und ich war ja noch Elternzeitvertretung. Aber irgendwie haben die das geregelt und ein Jahr später hatte ich die Entfristung. Und seitdem ist Alex May mein Chef und später kam dann noch Gregor Leander dazu.

Und mit deinen Chefs zusammen bist du dann 2021 an die neugegründete Fakultät für Informatik gewechselt. War das ein großer Einschnitt?

Nein, eigentlich gar nicht. Wir hatten vorher ja schon das Centre of Computer Science gegründet, wo Alex May federführend war. Und meine Arbeit blieb an sich ja gleich. Eine komische Zeit war das durch Corona sowieso und natürlich auch viel Arbeit, aber es hat Spaß gemacht. Schwierig war vor allem, dass manchmal plötzlich so unerwartete Probleme aufkamen, die dann möglichst am gleichen Tag noch gelöst werden mussten.

Hast du ein Beispiel?

Nach Fakultätsgründung hieß es irgendwann: Das Prüfungsamt braucht Stempel. Wo kriegt man Stempel her? Ich habe dann mehrere Fakultäten abgeklappert und alle meinten: Wir haben unsere Stempel schon immer. Seit 1965 quasi. Da mussten wir gucken, wo wir neue herbekommen. Also ja, es war schon viel Arbeit, aber die Arbeit hat sich gelohnt. Weil es wirklich eine tolle Fakultät geworden ist – und auch die Studierenden mit Stolz das Fakultäts-Shirt tragen.

Was schätzt du an der Fakultät besonders?

Den Umgang miteinander und die Atmosphäre. Dass alle sich duzen zum Beispiel und einfach freundlich sind. Und auch wenn es mal stressig ist, ist keine blöde Stimmung, sondern man macht das Beste draus. Es gibt auch einfach eine große Hilfsbereitschaft untereinander und ein Gemeinschaftsgefühl.

Du engagierst dich ja auch seit vielen Jahren im Fakultätsrat und vertritts dort die Gruppe der Verwaltungsangestellten. Wie kann man sich das vorstellen?

Als ich damals in der Mathe zum ersten Mal im Fakultätsrat war, war ich überrascht, wie viel Mitspracherecht man hat. Natürlich muss man auch manchmal diplomatisch sein und sich enthalten. Oder man diskutiert anstehende Entscheidungen in der Gruppe der MTV, bevor die gewählten Vertreter dann abstimmen. Man ist ja Teil einer Gemeinschaft, die man vertritt. Und es ist natürlich schön, immer mehr mitzubekommen und Zusammenhänge zu verstehen.

Wenn nicht gerade der Fakultätsrat tagt: Was ist das Highlight deiner typischen Arbeitswoche?

Das Team-Frühstück am Donnerstag: Einer bringt Frühstück mit und währenddessen machen wir dann Besprechung, in entspannter Atmosphäre. Und da wird dann zum Beispiel besprochen, wer welche Aufgaben oder Kurse übernimmt. Das ist auch das, was ich an diesem Job so schätze, dass man eine gewisse Freiheit hat, sich die Arbeit einzuteilen. Und dass es eigentlich gar keine typische Arbeitswoche gibt, weil wenige Wochen „normal“ laufen. Ich hatte mir den Job als Teamassistentin viel langweiliger vorgestellt.

Du hast in deiner Zeit an der RUB bestimmt auch einige verrückte Geschichten erlebt. Teilst du eine mit uns?

Das ist schwierig. Aber eine fällt mir ein: Es wurde mal eine Serie an der RUB gedreht, Einstein mit Tom Beck von Alarm für Cobra 11. Einmal haben die bei uns auf dem Flur gedreht und ich wollte nur kurz zur Teeküche und dann steht da so ein Typ und grinst mich an. Als ich mit meinem Tee wieder im Büro sitze, denke ich: Irgendwoher kenne ich den … Und später sagt mein Chef dann: „Hast du gesehen, der Schauspieler Tom Beck war hier.“ Ich habe den in dem Moment einfach nicht erkannt. Darüber lacht Alex sich heute noch tot. Die haben dann noch eine Weile da gedreht und wir haben ja ganz normal weiter gearbeitet. Ich bin also immer wieder hin und her zwischen Büro und Küche. Und irgendwann kommt der Regisseur zu mir und sagt: „Ist es möglich, dass Sie mal auf Ihrem Platz bleiben?“ Ich bin nämlich immer in deren Aufnahmen reingelaufen.

Zum Abschluss zu den richtig schönen Dingen: Hast du einen Lieblingsort am Campus?

Den Botanischen Garten. Da gehe ich auch privat regelmäßig mit meinem Hund hin. Oder ohne Hund, wenn ich mal in die Gewächshäuser will. Ich stehe total auf Kakteen, weil ich mal in Texas gelebt habe und auch in Arizona war. Ich finde es einfach toll, wie die mit fast nichts überleben können. Und ich hole auch regelmäßig Pflanzen aus dem Botanischen Garten, die die dort verkaufen.

Abgesehen von Spaziergängen im Botanischen Garten: Hast du Pläne für den Ruhestand?

Als allererstes steht eine Reise nach Cornwall an, da wollte ich unbedingt mal hin. Schön in so einem kleinen Cottage über den Klippen. Und dann schreibe ich ein Buch. Über alles, was ich so erlebt habe. Über seltsame Dinge, die alle wahr sind, aber kaum zu glauben. Ich habe auch schon eine Lektorin, Svea Müller, und Henrike Tönnies wird das Buch vertonen.

Da bekommen wir dann also die Geschichten, die du uns hier nicht erzählen wolltest? Wir sind gespannt!

Liebe Marion, wir danken dir ganz herzlich für dein außerordentliches Engagement und deinen Beitrag zum Aufbau der Fakultät. Alles Gute für den – nicht zu ruhigen – Ruhestand!