Zwischen Freiheit, Forschung und Familie

Alumni Story Georg Land

Charlotte Schab
16. April 2026

Georg Land hat die Flexibilität und Freiheit im Studium genutzt, um sich fachlich auszuprobieren, neue Perspektiven kennenzulernen und gleichzeitig eine Familie zu gründen. Seine Begeisterung für das Zusammenspiel von Theorie und Praxis hat ihn über die gesamte Studienzeit, vom Bachelor bis zur Promotion, begleitet. In seiner Alumni Story berichtet er von seiner intensiven Zeit im Bachelor- und Masterstudium der IT-Sicherheit und gibt Einblicke in die Schwerpunkte seiner Promotion. Heute arbeitet er als Security Research Engineer und Scientist bei Intel.

 

Du hast relativ frisch deine Promotion abgeschlossen. Doch lass uns zunächst zurück zu den Anfängen gehen: Wie kamst du zum ITS-Studium an die RUB?

Mein Bruder hat ein paar Jahre vor mir begonnen, ITS zu studieren und immer, wenn ich ihn besucht habe, fand ich ganz spannend, was er da so gemacht hat. Überhaupt kam mein ursprüngliches Interesse für Technik und Computer von ihm.

 

Wie hast du deine Studienzeit erlebt?

Mein Studium war geprägt von viel, viel Freiheit und Neugier und dem Auseinandersetzen mit anderen Meinungen und anderem Wissen sowie dem Ausprobieren von, aus heutiger Sicht, nicht wirklich sinnvollen Ideen. Rückblickend habe ich mich als Arbeiterkind (und nach meinem Bruder dem zweiten in der Familie, der studiert hat) leider nicht zu einem Auslandsaufenthalt getraut, was ich heute etwas bereue.

Später habe ich dann die Freiheiten des Studiums noch weiter genutzt und genossen: Kurz nach dem Bachelor kam bei uns das erste Kind, kurz vor der Masterarbeit das zweite, nebenbei habe ich viel bei Kasper & Oswald (einem Bochumer Start-Up) für insgesamt knapp 5 Jahre gejobbt, wo mir viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Zwischendrin gab es leider auch einen Todesfall in der Familie. Es waren intensive Zeiten.

Fachlich haben sich meine Interessen über das Studium recht stark verschoben: Wie viele Erstis damals bin ich mit einem eher eindimensionalen Bild (Hacking! Passwörter knacken!) an das Studium herangegangen. Relativ bald habe ich aber eine Liebe zur Brücke zwischen Theorie und Praxis entwickelt: Die eine Seite verstehen, die Dinge auf die andere Seite übertragen, und dabei gleichzeitig Feedback zurückgeben. Das Umfeld, in dem viele wirklich hochkarätige Wissenschaftler aus unterschiedlichen Sub-Domänen uns konstant gefordert haben, hat dabei natürlich sehr geholfen.

 

Wie hast du Familie und Studium gut unter einen Hut bekommen?

Die Vereinbarkeit von Studium und Familie mit kleinen Kindern hat für uns vor allem dank sehr genauer Zeit- und Verantwortungs-Planung und enormem Einsatz meiner Frau funktioniert. Gleichzeitig war es uns wichtig, Care-Arbeit so ausgeglichen wie möglich aufzuteilen. Für mich bedeutete das, viel selbstbestimmt mit Online-Materialien zu lernen und nur die wirklich wichtigen Veranstaltungen in Präsenz zu besuchen. Gewissermaßen hat mich die Familie-Studium-Vereinbarkeit gezwungen effizient zu arbeiten und zu studieren.

Ansonsten habe ich öfter auch einfach Kinder mit in die Uni gebracht, was in meinen Augen noch mehr normalisiert werden sollte als es mittlerweile schon ist. Und so schwer die Corona-Zeit auch war, hat sie doch den Weg geebnet um als Doktorand im Zweifelsfall mit krankem Kind von zuhause zu arbeiten. Das habe ich dann auch regelmäßig nach dem beruflichen Wiedereinstieg meiner Frau in Anspruch genommen.

Finanziell hat Bafög mit Kinderbetreuungszuschlag und höherem Einkommensfreibetrag, Kindergeld und Kinderzuschlag (sehr unbekannt leider!) stark geholfen. Später, während der Promotion, haben wir anfangs trotz relativ gutem Einkommen noch Wohngeld bekommen, auch da kann ich nur allen Promovierenden mit Kindern empfehlen, zu prüfen, ob das in Frage kommt.

 

Wie ging es nach deinem Masterabschluss für dich weiter?

Erstmal gab es eine kurze Pause von drei Monaten, in der wir ein bisschen gereist sind. Anschließend habe ich noch Vollzeit bei Kasper & Oswald gearbeitet, um die Zeit bis zum Beginn der Promotion zu überbrücken. Im Oktober 2019 habe ich dann am Lehrstuhl Security Engineering bei Tim Güneysu meine Promotion begonnen. Auch das lief natürlich nicht geradlinig, Anfang 2020 haben wir Kind 3 bekommen. So konnte ich nach der Elternzeit „super“ ins Lockdown-Homeoffice starten.

 

Was hast du im Rahmen deiner Promotion erforscht?

Der grobe Rahmen waren Fragen zur Implementierung von Post-Quantum-Kryptographie, also kryptographischen Verfahren, die auch gegen Quantencomputer sicher sind. Auch hier wurde mir wieder viel Freiheit gewährt, so dass ich letztendlich in viele verschiedene Teilrichtungen geforscht und publiziert habe, z.B.

  • Sicherheit dieser neuen Verfahren gegen Seitenkanalangreifer (grob: Stromverbrauch messen und den Schlüssel herausfinden)
  • Effizienz von neuen Verfahren in Software und Hardware (und dabei auch die effiziente Gestaltung neuer Verfahren)
  • Verfahren, die erweiterte Sicherheitsziele erreichen, z.B. Zero-Knowledge Proofs oder Anonymous Credentials, praktikabler machen

 

Was machst du heute beruflich?

Heute arbeite ich bei Intel und knüpfe dort eigentlich an die Faszination an, die mich beriets während des Studiums gepackt hat: die Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen. Konkret bin ich dafür verantwortlich, dass kryptographische Verfahren effizient und sicher in die Produkte eingebettet werden. Aktuell geht es dabei natürlich um die wichtige Migration zu Post-Quantum Kryptographie. Glücklicherweise heißt das auch, dass meine Arbeit weiterhin forschungsnah bleibt, ich aber gleichzeitig für viele interessante und sehr unterschiedliche Anwendungsfälle individuelle Lösungen finden muss. Ich beschäftige mich also mit ganz praktischen Fragestellungen.

 

Was fasziniert dich besonders an der Forschung?

Das Wissen von unterschiedlichen Teilgebieten zu kombinieren und dabei auf neue Ideen zu kommen, finde ich sehr faszinierend. Und in diesem Prozess zu bemerken, dass man sich öfters mal irrt, und daraus dann zu lernen und Dinge zu verbessern.

Name: Georg Land
Studiengang: IT-Sicherheit
Abschlussjahr: 2025 (Promotion)
Aktueller Job: Security Research Engineer/Scientist bei Intel